Segelscheine welche sind sinnvoll?

Als Kind bin ich mit meinem Vater auf dem Rhein oder auf dem Meer herum gesegelt und habe mir keine Gedanken gemacht, ob es irgendwelche Regeln gibt, die ich beachten sollte. Wenn wir in Spanien waren freute, ich mich auf die Urgewalt des Mistral, der mich in unserer Moth Jolle ins gleiten brachte.

Als ich mir dann als Erwachsener eine Jolle kaufte und direkt bei der ersten Fahrt auf dem Silbersee bei drehenden Winden kenterte und danach noch von der Wasserwacht dazu angehalten wurde nicht bei den gelben Bojen zu segeln, dämmerte mir, dass es mehr geben musste als Segel setzen und durch die Gegend zu cruisen. Also nochmal die Schulbank drücken und dem Spaß mal ein bischen theoretisch näher kommen:

Mein erster Segelschein: SBF-Binnen.

Der Sportbootführerschein Binnen. Zugegeben das Segeln mit verschiedenen Jollen in der Segelschule war echt lustig und man lernt auch echt viel über kleine Boote und die Wirkung von Segel und Ruderlage,  aber insgesamt ist der Schein zum Blauwassersegeln relativ nutzlos.

Schwierigkeitsgrad: einfach

Mit meinem Segelkumpel Stefan kam ich auf die verrückte Idee Jollenwandern in der Ostsee am 1. Mai auszuprobieren. Wir fuhren mit meiner 4,10m Jolle (Typ Koralle BJ 1966) nach Aero und segelten im Trockenanzug die Inseln Birkholm, Hjorto, Drejo und Avernako ab. Leider hatten alle Geschäfte zu und wir nicht genügend zu essen, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls bekamen wir hier das erste Mal Kontakt zu Jachties und es war klar, so eine Yacht wollen wir auch mal fahren.

Mein zweiter Segelschein: SBF-See.

Der SBF-See (Sportbootführerschein See) ist die Eintrittskarte zum Yacht chartern – dachte ich. Aber wenn man die Prüfung abgelegt hat und das erste Mal mit einem Skipper auf einer Yacht ist, merkt man ganz schnell das man eigentlich gar nichts kann. Der Schein gibt einem etwas theoretisches Grundwissen um von A nach B zu gelangen, aber die Praxisprüfung habe ich auf einem kleinen Motorboot auf dem Rhein absolviert, Praxisfremder wäre nur eine Computersimulation gewesen.

Schwierigkeitsgrad: einfach

Warum?

  • Auf dem Rhein kann ich jederzeit beide Ufer sehen
  • Ich habe eine Strömung, die mir beim Anlegen hilft
  • Ich fahre auf einem 5m Boot, da stoppt wenn ich will und wird nicht vom Wind weggedrückt wenn ich anlegen möchte
  • Kartenlesen? Mal im Ernst, auf dem Rhein kann ich mit nem Autonavi fahren
  • Tidenhub im Hafen? Gibt es nicht über Nacht
  • Und 1000 Dinge mehr, die man erst bemerkt wenn man sich auf einer Yacht befindet

Okay, was nun wie geht es weiter? Wie komme ich zu mehr Wissen und Erfahrung? Da gibt es nur eins, lernen und üben.

Mein dritter Segelschein: SKS

Der SKS-Schein (Sportküstenschifferschein) ist schon etwas schwieriger, denn er besteht aus einem theoretischen Teil mit über 600 Fragen, die man schriftlich (also kein Multiple Choice) beantworten muss. Dieser Teil ist eine Fleißarbeit, bei der man aber auch einiges nützliches lernt. Der schwierigere Teil ist die Navigation mit der Karte, für die man echt hart lernen muss, damit man es in der vorgegebenen Zeit schafft.

Lernen kann man das super mit Tim Kösters kostenlosem Trainer, den Audiofiles von Auffieren, den Kartenaufgaben, die man auf der Elwis Seite findet und der tollen Beschreibung aus Youtube, wie man die Kartenaufgaben überhaupt lösen kann. Bei der theoretischen Prüfung waren die auswendiglern Aufgaben der leichte Teil. Die Kartenaufgabe in der vorgegebenen Zeit zu schaffen ist schon kniffliger. Zwei Freunde von mir haben kürzlich die Theorie bestanden und hatten alle Kartenaufgaben vorher im Internet gefunden. Ich denke,w enn man die Kartenaufgabe ein paar mal durchgezeichnet hat, ist das aber auch zu schaffen.

Und dann gibt es noch den coolen Teil: man benötigt 300sm um zur praktischen Prüfung zugelassen zu werden. Die Absolviert man auf Ausbildungstörns, wo man sehr viel lernen kann. Die praktische Abschlussprüfung ist je nach Prüfer und eigenem können mehr oder weniger schaffbar.

Bei meiner ersten SKS-Prüfung sind alle 4 Prüflinge (mich eingeschlossen) bei Windstärke 6 durchgefallen. Die Prüfer waren nicht besonders fair und nett (nette Umschreibung, Hust…). Allerdings besinnt man sich dadurch dann auch, dass man mit dem SKS-Schein auch eine Menge Verantwortung übertragen bekommt und es vielleicht ganz gut ist eine gewisse  Qualitätskontrolle zu wahren.

Schwierigkeitsgrad: kommt auf s Wetter, die eigene Verfassung und den Prüfer drauf an.

Die Prüfung lief folgendermassen ab:

Wir wachten morgens im Hafen auf und der Wind pfiff und heulte in den Takelagen der Boote. Die Prüflinge trafen sich an der verabredeten Stelle im Hafen und füllten die Unterlagen aus, dazu benötigte man seine Meilennachweise und den SBF-See Führerschein im Original. Dann wurde die Reihenfolge der Prüfungen festgelegt. Da wir direkt nach der Prüfung noch einen langen Weg zu unserer Heimatmarina hatten durften wir beginnen. Über Nacht hatte es ordentlich gestürmt und eine entsprechende Windsee aufgebaut. Leider war die ganze Woche fast Windstille und spiegelglatte See angesagt gewesen, weswegen wir unser 46ft Schiff bei BFT 6 mit 1,5m Welle noch nie erlebt hatten.

Die Prüfer teilten sich auf, einer ging mit einem Prüfling unter Deck, wo er ihn über alle möglichen Geräte von Gasherd bis Bilgenpumpe befragte. Dann wurde eine slowenische Wetterkarte gezeigt und man sollte die auf slowenisch bezeichneten Wetterkarten interpretieren – was ein Spaß!

Der andere Prüfer saß im Cockpit und gab Anweisungen welche Manöver der Prüfling zu steuern habe. Dabei befragte er ihn über alle möglichen Dinge, die ihm gerade einfielen. Da er augenommen unsympatisch war, verhielten sich die anderen Prüflinge eingeschüchtert und wagten nichts zu sagen und versuchten auf ihren jeweiligen Positionen zu glänzen. Da der Wind weiter aufdrehte mussten wir reffen -hatten wir nie geübt – was den Prüfer zu der netten Bemerkung veranlasste, dass er so etwas diletantisches noch nie gesehen hätte und er selber das mit einer Tasse Kaffee in der Hand tun würde.

Na ja, 3 Prüflinge fielen beim MOB durch, weil der Wind und die Wellen uns jeweils 1m vor erreichen der Boje wieder in den Rückwärtsgang schickten und einer war so aufgeregt, dass er eine Patenthalse hinlegte.

Prüfung SKS Nummer 2

Diesmal waren nur Prüflinge an Bord die alle schon einmal durchgefallen waren! Das gute daran war das jeder diesmal natürlich unbedingt bestehen wollte und so trainierten wir 3 Tage non Stop. Unser Skipper war Oberklasse und gab uns unglaublich viele gute Tipps für die Mönöver mit.

Tag der Prüfung: Zwei gutgelaunte sympatische Prüfer kommen zu uns an Bord, der erste Prüfling fährt los, ich werde in den Salon gebeten. Dort habe ich mich sehr nett mit dem Prüfer über dies und das unterhalten, während er mich über alle möglichen Dinge gefragt hat, die auch in der theoretischen Prüfung vorkommen. Dann sollte ich auf der Karte ein paar Tonnen finden und den Kurs abstecken und überschlagen wie lange wir dafür benötigen und das wars!

Der Wind war dieses mal sehr lau, wir fuhren erst die Manöver unter Motor und als ich mit dem MOB unter Segeln dran war, war der Wind aus. Ich quälte mich im Schneckentempo durch das Manöver was es auch nicht leichter macht, denn ein kleiner Steuerfehler und man hat keine Chance zum Korrigieren….. In der letzten Kurve dann war der Wind ganz weg. Also habe ich den Prüfer gefragt, ob ich mit Motor weiterfahren darf- kein Problem, denn das würde man ja im Ernstfall auch tun.

Fazit: alle haben Bestanden, die Prüfung war entspannt und auf dem Rückweg haben wir sogar lustige Unterhaltungen mit dem Prüfern geführt.

Ich denke das der SKS für alle die eine Yacht chartern wollen und später mal zum Blauwassersegler werden möchten ein wichtiger Schritt ist, um das erste Handwerkszeug zu erlangen eine Yacht inklusive der Passagiere selbst verantwortlich und sicher zu steuern.

Mittlerweile habe ich schon mehrmals den Skipperposten für meine Freunde eingenommen, aber ich fühle mich noch meilenweit entfernt von einem Seebären, der mit allen Wassern gewaschen ist. Bis zum Blauwassersegeln heißt es also übern, üben, üben um Situationen, Wetter usw. richtig einschätzen zu lernen.

Mein vierter Segelschein: SRC

Den SRC (Short Range Certificate) benötigt man um ein fest eingebautes Funkgerät bedienen zu dürfen. Ohne Funkgerät und damit ohne die Möglichkeit um Hilfe im Seenotfall zu rufen, würde ich mich nie auf eine Charteryacht wagen.

Die Prüfung ist eine Pflichtübung, die man gut im Selbststudium mit Schulungssoftware erlernen kann. Das Funken selber ist für die meisten Ungeübten eine große Überwindung, das kann man aber Zuhause gut üben, in dem man entweder der Freiwilligen Feuerwehr beitritt (da lernt man auch andere hilfreiche Dinge) oder eine Amateurfunklizenz erwirbt. Auf diese Lizenz werde ich gesondert noch mal eingehen, weil sie für Blauwassersegler sehr interessant ist. Lasst euch überraschen.

Prüfungsablauf:

Theoretischer Teil: Man beantwortet die gelernten Fragen, dann kommt das Diktat und die Übersetzung. Für den praktischen Teil sitzt man in Zweiergruppen mit einem Prüfer am Funkgerät. Da ich nur mit einer Software gelernt hatte kannte ich das Funkgerät in der Bootsschule ind der die Püfung war nicht. Der Prüfer erklärt mir kurz den Unterschied in der Bedienung und los ging es. Wir bekamen immer abwechselnd eine Situation geschildert in der wir uns befinden hatten kurz Zeit den Funkspruch zu notieren und funkten ihn dann an den anderen Prüfling, der die Nachricht aufnahm.

Schwierigkeitsgrad: mittel

Mein fünfter Segelschein: Fachkundenachweis (FKN) für Seenotsignalmittel

Ohne den Pyro Schein darf man die im Charterboot vorhandenen Signalraketen nicht nutzen. Neuerdings werden in der Ostsee sogar Kontrollen durchgeführt und Bußgelder verhängt. Da man durch den Fachkundenachweis nicht dümmer wird, habe ich mir den Online Kurs von Rolf Dreyer gegönnt, der auch mit dem typischen Humor von Rolf Dryer gespickt ist. Er gibt auch ganz gute Zusatzinformationen, die einem vielleicht mal den Hintern in der Prüfung oder im Seenotfall retten werden. Unter www.sportbootfuehrerscheine.org findet man sein Prüfungsamt und kann die einfache Prüfung für knapp 25€ abgelegen. Hier gibt es auch eine ganz nette Online Präsentation über die verschiedenen Signalmittel. Tim Köster hat für diesen Schein auch einen Online Kurs gebaut. Wie die Signalmittel in echt funktionieren und zu benutzen sind, kann man sich in diesem Video anschauen.

Die theoretische Prüfung war wirklich nicht der Rede Wert, aber bei der praktischen Prüfung habe ich kurz gezittert. Einer aus unserer Gruppe ist letztes Mal durchgefallen und musste somit die Theorie ebenfalls wiederholen. Die Praktische Prüfung sah so aus, dass man jeweils einen Dummy vor die Nase gelegt bekommen hat und dann erst mal alles was man über dieses Signalmittel weiß aussprudeln durfte. Danach gab es noch Fragen in welchem Fahrgebiet wird es eingesetzt und zeigen Sie bitte die Handhabung und erklären Sie in jedem Schritt was gerade wichtig ist und was sie da tun und was man nie tun sollte. Dabei wurden tatsächlich alle Signalmittel inkl. Nicosiglan einmal durchgenommen.

Schwierigkeitsgrad: einfach

Sobald man den Schein hat, darf man auch die T2 – Signalmittel kaufen, die um einiges längere Abrennzeiten und Flughöhen haben als die freiverkäuflichen T1 Signalmittel.

Leider darf man auch mit dem FKN keine Signalpistolen mit Kaliber 4 besitzen, da diese in Deutschland waffenrechtlich zu den Schußwaffen zählen.

Gestalterisch lässt dieser Schein noch einige Verbesserungen zu. Während die anderen farbig und irgendwie ansprechend sind, bekommt man hier nur ein 3 x gefaltetes Wasserdichtes graues Papier auf dem FKN und der Inhabername und das Prüfungsdatum steht. Aber wahrscheinlich spiegeln die Scheine den Lernaufwand der dahinter steckt. Allerdings müsste dann der SSS ja supercool aussehen…

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